Urushi – Die Kunst des japanischen Naturlacks
Urushi ist ein natürlicher Lack, der aus dem Saft des japanischen Lackbaums gewonnen wird und seit Jahrhunderten zur Herstellung hochwertiger Kunst- und Gebrauchsgegenstände verwendet wird. Seine aussergewöhnliche Tiefe, Haltbarkeit und Schönheit machen Urushi zu einem der edelsten Lacke der Welt.
In meiner Werkstatt verbinde ich diese traditionelle japanische Technik mit handgedrechselten Holzobjekten. Jede Schale, jedes Kunstobjekt und jede Dose entsteht zunächst auf der Drechselbank und wird anschliessend in zahlreichen sorgfältigen Arbeitsschritten mit Urushi veredelt.
Das Auftragen der einzelnen Lackschichten erfordert Geduld, Präzision und Zeit. Das Ergebnis sind einzigartige Unikate, die die natürliche Schönheit des Holzes mit der Eleganz der japanischen Lackkunst verbinden.
💡 Warum Urushi?
Urushi fasziniert mich durch seine aussergewöhnliche Tiefe, seine natürliche Schönheit und seine jahrhundertealte Tradition. Jede Lackschicht wird von Hand aufgetragen und entwickelt mit der Zeit eine einzigartige Ausstrahlung. Die Verbindung von europäischem Drechselhandwerk und japanischer Lackkunst eröffnet gestalterische Möglichkeiten, die mich immer wieder aufs Neue begeistern.
Herkunft
Das japanische Wort Urushi (漆) bezeichnet sowohl den natürlichen Lack als auch den Lackbaum (Toxicodendron vernicifluum), aus dessen Milchsaft dieser gewonnen wird. Seit mehreren Jahrtausenden gehört Urushi zu den außergewöhnlichsten Naturmaterialien der Menschheit. Es dient nicht nur als Schutzbeschichtung, sondern auch als künstlerisches Ausdrucksmittel, das Funktionalität und Ästhetik auf einzigartige Weise verbindet.
Die ursprüngliche Heimat des Urushi-Baumes liegt vermutlich im südwestlichen China. Von dort verbreitete er sich über Jahrtausende nach Korea und Japan, wo er gezielt kultiviert wurde.
Der milchig-weiße Rohsaft wird durch feine Einschnitte in die Rinde gewonnen, sorgfältig gereinigt und anschließend zu verschiedenen Lackarten verarbeitet. Seine besondere Eigenschaft besteht darin, dass er nicht trocknet, sondern durch eine enzymatisch katalysierte oxidative Polymerisation aushärtet. Dieser Vorgang wird durch hohe Luftfeuchtigkeit und mäßige Temperaturen begünstigt (in einem Furo) und führt zu einem äußerst widerstandsfähigen Polymernetzwerk.
Jedes Urushi-Objekt ist ein Einzelstück und Ausdruck einer jahrhundertealten Handwerkstradition
Nahaufnahme von grünen Blättern und weissen Blütenknospen des Lackbaums.
Bild freigegeben vom Author: Imuzak at Japanese Wikipedia
Fuki-Urushi (拭き漆)
Fuki-Urushi ist eine Technik zum Auftragen von Ki-Urushi-Lack
Dabei wird Ki-Urushi (生漆), naturbelassener, gereinigter Urushi ohne Pigmente, dünn auf das Holz aufgetragen und anschließend fast vollständig wieder abgewischt. Nur der Lack, der in die Poren und die Holzoberfläche eingedrungen ist, bleibt zurück.
Das traditionelle Ki-Urushi-Lackieren ist ein sehr aufwendiger Prozess, der oft Tagen, Wochen oder Monate dauert.
1. Sehr dünn Ki-Urushi auftragen.
2. Einige Minuten einziehen lassen.
3. Überschüssigen Lack vollständig abwischen.
4. Im feuchten Muro oder Furo aushärten lassen.
5. Leicht anschleifen (je nach Arbeitsweise).
Der Vorgang wird typischerweise 5 bis 15 Mal wiederholt
Beispiel für das Auftragen von fünf Schichten Ki-Urushi-Lack auf Eschenholz-Geschirr, Schritt für Schritt.
Benötigtes Material: Rohlack, Spachtel, Applikatorentampon, Schutzhandschuhe, Papier zum Abwischen des überschüssigen Lacks.